Klausurvorbereitung Case Smart Product Tags (Uni Köln)
Der hier beschriebene Case soll die verschiedene Aspekte des Ambient Business durchspielen und als Diskussionsgrundlage dienen. Das vorgestellte Produkt ist fiktiv und dient nur als Beispiel und für mich als Klausurvorbereitung. Dieser Text wurde vom Lehrstuhl nicht geprüft. Update: in der Klausur kam eine Frage, "empfehlen Sie einem Future Store Betreiber ein Konzept und Technologien, um seinen Shop smarter zu machen" oder so ähnlich. Die unten beschiebenen Smart Product Tags brachten volle Punktzahl bei der Aufgabe.
Ambient Business Geschäftsidee
Im Einzelhandel werden den Kunden oftmals tausende verschiedene Produkte in Regalen präsentiert und zum Verkauf angeboten. Diese sind mit Preisschildern ausgezeichnet, die am Regal beim Produkt angebracht werden.
Durch Nutzung neuer Technologien und Verfolgung des Ambient Intelligence Ansatzes lässt sich durch die Einführung intelligenter Preisschilder ein deutlicher Mehrwert für den Händler und seinen Kunden realisieren. Solche intelligenten Preisschilder, Smart Product Tags benannt (Name erfunden), würden einen touch-fähigen LCD-Display, einen RFID Reader, Bluetooth oder eine ähnliche Kommunikationsschnittstelle, einen Speicher für die Zustandsverwaltung und einen Prozessor zur Datenverarbeitung besitzen. Damit wäre jeder Smart Product Tag (SPT) ein Smart Device im Sinne des Ambient Intelligence.
Die Smart Product Tags können in einem Geschäft an die Regale beliebig angebracht werden. Mittels RFID sind sie in der Lage, die in der Nähe befindlichen Produkte zu identifizieren und den passenden Preis, sowie Zusatzinformationen, anzeigen. Über die Kommunikationsschnittstelle können mehrere nebeneinander angebrachte SPTs die Zuständigkeit für die in der Nähe befindlichen Produkte aushandeln, sodass jeweils der nächstangebrachte Tag den Produktpreis anzeigt. Ein Tag kann auch mehrere Preise anzeigen. Diese können entweder über die Touch-Oberfläche oder durch das Bewegen oder Herausnehmen eines Produktes ausgewählt und angezeigt werden. Damit wären die Smart Product Tags kontext-bewusst und proaktiv und ermöglichten dem Kunden eine natürliche, unbewusste Interaktion.
Als Ambient Service zum Smart Product Tag, wäre es denkbar, dass ein Kunde seine Einkaufsliste freigibt, beispielsweise über sein Smartphone. Die SPTs, die die Produkte auf dieser Liste auszeichnen, könnten aufleuchten, wenn sich der Kunde in der unmittelbarer Nähe befindet. Proaktiv könnten die Tags sogar einem nahestehenden Kunden den Weg zu einem Produkt durch Pfeile aufzeigen, wenn diese über Standortinformationen verfügen würden (erfasst z.B. durch mehrere WLan Signale).
Neben dem besseren Serviceangebot hätte der Händler die Möglichkeit des verbesserten Monitorings seiner Produkte, bezüglich Temperatur, Verfallsdatum und Bestand. Ebenso könnte er seinen Kunden anbieten, anonymes Produktrating über die Touch-Oberfäche abzugeben. Mit den so gewonnen Informationen lässt sich der Bestand und die Produktplatzierung effektiver planen.
Die Smart Product Tags wären also eine enorme Bereicherung für Händler und Kunden.
Geschäftsmodell / Voraussetzungen / Anforderungen
Die technologischen Grundlagen für Smart Product Tags sind bereits ausgereift und zugänglich. Von Touch-Displays, über RFID/NFC, bis hin zu Akkus, die induktiv über das Regal aufgeladen werden könnten, sind alle technischen Voraussetzungen für den Tag erfüllt.
Damit das Konzept umgesetzt werden kann, müssen jedoch auch alle Produkte mit RFID Tags ausgestattet und das Warenwirtschaftssystem entsprechend angepasst werden. Damit dies immer noch wirtschaftlich bleibt, ist die Nutzung der RFID Tags, mit Ausschöpfung des Nutzungspotentials, entlang der gesamten Lieferkette notwendig.
Der Händler muss seine Regale modifizieren, sodass die SPTs mit Strom versorgt und leicht angebracht und wieder (diebstahlgeschützt) entfernt werden können. Damit können die Tags an beliebigen Regalen platziert werden und stellen sich automatisch auf die neue Umgebung (andere Tags) und die Produkte ein. Weiterhin müssen die Mitarbeiter für das neue System geschult werden.
Die Technologien für SPTs sind verfügbar und können von nur einem Produzenten zusammengeführt werden. Ein weiterer Dienstleister müsste die Software für die SPTs entwickeln.
Der Händler profitiert durch SPTs vor allem durch höhere Transparenz seines Bestandes und durch das Entfallen des aufwändigen Auszeichnens der Produkte. Potenziell hat er die Möglichkeit durch die Tags mit dem Kunden in Interaktion zu treten und z.B. Produktfeedback einzuholen, was er vielfältig verwerten könnte. Durch Smart Product Tags mit einem Magnetfeldsensor kann er den Aufenthaltsort seiner Kunden anonymisiert erfassen und damit Laufwege und Aufenthaltsdauer bei bestimmten Produkten analysieren. Die Erkenntnisse würden dem Händler und seinen Partnern neue Optimierungsmöglichkeiten eröffnen.
Der Kunde des Händlers profitiert von dem breiteren und leichter zugänglichem Informationsgehalt (neben Preis auch Empfehlungen, Feedbackmöglichkeit, Navigationshilfen), sowie der Aktualität der Information.
Die Daten der Kunden, wie z.B. Laufwege oder Feedback, werden anonymisiert gespeichert. Deswegen wird die Privatsphäre der Kunden nicht weiter eingeschränkt, da vor allem Videoüberwachung bereits breit akzeptiert wird.
Können die Smart Product Tags wirtschaftlich lohnend eingeführt werden, so ergibt sich eine Win-Win Situation für alle beteiligten Akteure.
Informationserfassung / -haltung / -zugriff
Die Produktinformationen werden idealerweise bereits beim Hersteller erfasst und das Produkt mit einem RFID Tag und einer eindeutigen Produktnummer, wie z.B. der GTIN, versehen, sodass alle Akteure innerhalb der Lieferkette diese ID auslesen und die Produktinformationen aus einer zentralen Produktdatenbank beziehen können. Dies würde eine hochintegrierte Lieferkette erfordern, mit hoher Transparenz, gemeinsamer Entwicklung und entsprechender Aufteilung der Kosten. Die Smart Product Tags würden die Produktinformationen und Preise aus dem lokalen Warenwirtschaftssystem beziehen, welches sich wiederum aus der gemeinsamen Produktdatenbank bedient. Auswertungen über die Kunden, wie Laufverhalten und Aufenthaltsdauer, können wegen der hohen Integration, leicht an den Produzenten zwecks Produktoptimierung übermittelt werden.
Kursinformation
- Hochschule:
- Universität zu Köln
- Veranstaltung:
- Emerging Electronic Business
- Semester:
- Sommer 2009
- Leitung:
- Prof. Dr. Schoder
- Download:
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